Beutewelt-Thriller "Happy Chipped Bitch" (Leseprobe)

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Happy Chipped Bitch (S. 29-32)


Die beiden Beamten benötigten fast eine Viertelstunde, um die Wohnungstür aufzubrechen. Offenbar hatte sie sich irgendwo verhakt. Vorher hatten sich Kuhmichel und Keller zwei Atemmasken aus dem Kofferraum des Streifenwagens geholt, um ihre Arbeit überhaupt verrichten zu können.
Als sie es endlich geschafft hatten, schob Marvin die verkantete Tür mit einem letzten wuchtigen Schulterstoß zur Seite, so dass sie in die Wohnung eindringen konnten. Herr Fichte beobachtete die beiden Polizisten indes mit größter Neugierde und inzwischen waren auch ein paar der anderen Hausbewohner auf dem Flur zusammengekommen. Sie unterhielten sich lautstark.
Keller wurde das nervige Geschwätz hinter seinem Rücken irgendwann zu viel und er schrie die Hausbewohner an, endlich wieder zu verschwinden. Anderenfalls würde ein jeder von ihnen ein saftiges Ordnungsgeld zahlen müssen, drohte der untersetzte Beamte.
Nachdem die Hausbewohner wieder in ihre trostlosen Wohnlöcher gekrochen waren – lediglich Herr Fichte war geblieben – setzten die beiden Polizisten einen ersten Schritt in die stockfinstere Wohnung. Sämtliche Rollläden waren heruntergelassen worden und auch hier funktionierten die Lichtschalter nicht mehr.
„Was für ein Mist!“, schimpfte Kuhmichel und bat seinen Kollegen, noch zwei Taschenlampen aus dem Streifenwagen zu holen.
Einige Minuten später kam Keller, schnaufend und völlig außer Puste, den Korridor heruntergelaufen und überreichte Kuhmichel eine Taschenlampe. Fluchend staksten die beiden Polizisten durch den Wohnungsflur und ihre Augen folgten den durch die Finsternis tanzenden Lichtkegeln. Beim ersten Fenster, am Ende des Flures, sahen sie, dass man die Rollläden gar nicht mehr hochziehen konnte. Irgendjemand hatte die Zuggurte durchgeschnitten.
Kuhmichel ging in die Küche. Hier stand lediglich ein kleiner Tisch, ansonsten war der Raum leer. An der Decke hatte sich ein riesiger Wasserfleck gebildet und es hatte zu schimmeln begonnen. Die Wände waren mit einer gelblich-braunen Tapete überzogen, die ebenfalls schon angeschimmelt war.
„Hier ist nichts!“, hörte Marvin seinen Kollegen aus dem Nebenraum rufen. Er verließ die Küche und eilte über den Flur zu ihm. Keller stand in einem leeren Raum, der früher wohl einmal ein Wohnzimmer gewesen war. Nur etwas Müll lag hier auf dem Boden.
Kuhmichel leuchtete ins Bad der kleinen Wohnung, dessen Wände mit schmutzigen, grauen Kacheln bedeckt waren, und wich angewidert zurück. Hier war alles verrostet und verdreckt – vom Wasserhahn bis hin zur Toilettenschüssel. Plötzlich zuckte er zusammen, als neben ihm ein Gesicht im Halbdunkel auftauchte.
„Was?“, zischte er in sich hinein, bis ihm klar wurde, dass er lediglich sein eigenes Bild im Spiegel an der Wand gesehen hatte. Er lachte leise und beruhigte sich wieder.
Angestrengt in die Atemmaske schnaufend beugte sich Kuhmichel dann nach unten und leuchtete den Boden ab. Der Lichtkegel seiner Taschenlampe streifte etwas, das nur auf den ersten Blick wie Rost aussah. Marvin kniete sich hin und musterte einige der roten Flecken auf dem gekachelten Boden etwas genauer. Daneben entdeckte er einen abgebrochenen Zahn. Der Beamte betrachtete ihn und stieß ein nachdenkliches Brummen aus.
„Ein Zahn…?“, flüsterte er sich leise zu und war verdutzt. Und die roten Flecken auf dem Boden? Noch einmal leuchtete er die Stelle ab und hielt für einige Sekunden inne. Nein, das waren keine Rostflecken, dachte er sich, doch er kam nicht mehr dazu, den Gedanken zu Ende zu führen.
Im Nebenraum kreischte Keller auf einmal so panisch auf, als hätte er einen Geist gesehen. Verstört schwenkte Marvin herum und rannte über den Flur, um nach seinem Partner zu sehen. Dieser taumelte ihm schon entgegen und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Verdammte Scheiße!“, japste Keller, um dann die Atemmaske von seinem Gesicht zu reißen und sich zu übergeben.
„Was ist denn los?“, fragte Kuhmichel aufgeregt.
„Wir müssen die anderen holen…“, keuchte Keller und torkelte kreidebleich aus der Wohnung heraus.

S. 77-79

Es dauerte nicht lange, da standen die beiden Polizisten 16 jungen Männern gegenüber. Diese waren längst nicht mehr so vorlaut wie am Anfang, nachdem ihnen Kuhmichel noch einmal ein Verhör im Keller des Sicherheitskomplexes FAM-IV angedroht hatte.
„Ihr studiert also alle Global Business Science, wie?“, donnerte Keller und stolzierte wie ein Gockel vor den jungen Burschen auf und ab. „Muss ich das auch erst studieren, bevor ich mir Schleim in die Haare schmieren darf?“
Die Studenten nickten wie aus einem Guss. Kuhmichel, der sich auf einem antiken, mit dunkelgrünem Samt bezogenen Sessel in der Ecke des großen Besprechungsraumes niedergelassen hatte und seinem Kollegen zusah, erhob sich wieder. Mit einem Foto von Jaqueline Teese kam er auf die Jungakademiker zu.
„Die hier war ein sogenanntes „Official GF Chick“? Kann mir einer von euch erklären, was das genau ist?“, fragte er.
„Was meinen Sie mit „war“, Detective?“, wollte einer der Studenten wissen.
„Das Mädel ist tot. Deshalb „war“…“, fuhr Keller dazwischen.
„Warum ist sie denn tot?“, kam von einem der Verbindungsbrüder zurück.
„Bei der nächsten dämlichen Frage gibt es was in die Fresse! Ist das jetzt klar? Kannte einer von euch diese Frau?“, brüllte Kuhmichel und hielt das Foto hoch.
Es folgte betretenes Schweigen. Die beiden Polizeibeamten wurden nun etwas energischer. Kuhmichel packte einen der Studenten am Hals und schrie ihn an: „Du siehst so aus, als würde es in deinem Kopf rattern. Hast du etwas zu sagen?“
„Nein, wirklich nicht…“, jammerte die verängstigte Gestalt und röchelte leise. Marvin stieß ihn zurück.
„Was ist ein „Official GF Chick“? Weiß das keiner vor euch? Müssen wir euch erst alle mal im Keller in die Mangel nehmen, oder was?“, grollte er und wurde angesichts der reichen Söhnchen und dem sie umgebenden Prunk und Protz immer giftiger.
„Naja, das…das…ist so ein Partygirl. Also ein Mädel, das hier mal zu unseren Partys kommt und so…“, stammelte der Rotschopf, der den Beamten die Tür geöffnet hatte.
Kuhmichels graublaue Augen funkelten ihn böse an. „Weiter! Diese Mädels kommen hier in euer schönes Haus und lassen sich flachlegen, ja?“
Der Student antwortete mit einem verschämten Nicken. Seine Kommilitonen starrten auf den Boden und gaben keinen Laut mehr vor sich.
„Aber die war nie hier, richtig?“, schob Kuhmichel nach.
„Kann sein, dass die auch mal auf einer Feier gewesen ist. Hier sind jedes Wochenende Partys…“, tönte es von der Seite.
„Kann sein…kann sein…“, äffte Keller den Studenten nach und gab ihm eine schallende Ohrfeige. „Willst du uns verarschen, du kleines Milchgesicht? War sie hier oder nicht?“
„Ja, ich glaube, ich habe sie schon einmal gesehen. Die war mal mit Steven hier“, meinte ein hagerer Bursche mit zurückgekämmten, schwarzen Haaren.
Kuhmichel grinste und sah an dem Stundenten vorbei. Dann deutete er auf ein Porträt hinter ihm an der dunkelrot gestrichenen Wand des Raumes.
„Wer ist das eigentlich? Der Gründer eures exklusiven Reiche-Söhnchen-Clubs?“, knurrte er.
„Nein, das ist David Rockefeller. Ein großer Mann…“, erwiderte einer der jungen Männer.
„David Rockefeller? Kenne ich nicht. War der auch so eine Schwuchtel wie du?“ Kuhmichel lachte auf.
„Wie auch immer, dieses Mädchen war also die Freundin von einem Steven“, sagte Keller genervt. „Hat dieser Steven auch einen Nachnamen?“
„Ich habe nur gesagt, dass die junge Frau vermutlich einmal mit Steven hier war. Ich meine Steven Weiss. Er heißt Steven Weiss!“, ergänzte der Student und lächelte beschwichtigend.
Kuhmichel drehte sich seinem Kollegen zu und verschränkte die Arme vor der Brust. Jetzt sah er richtig finster und bedrohlich aus.
„Wir brauchen eine Liste aller Mitglieder dieser Verbindung. Und diesen Steven werde ich mir persönlich vornehmen“, brummte er Keller zu.

S. 90-93

„Feuererlaubnis wird gleich erteilt! Alle Ziele sind dann frei!“, schallte es aus dem Minifunkgerät in Kuhmichels Helm.
Der breitschultrige Polizist, der in seinem schweren, blauschwarzen Körperpanzer äußerst respekteinflössend aussah, spähte über die Straße, sprintete dann ein Dutzend Meter geradeaus und lugte am Heck eines demolierten Kleinwagens vorbei. Nervös entsicherte er sein Sturmgewehr und hielt für einen Moment inne.
Die große Frankfurter Einkaufsstraße, die ihren alten Namen „Zeil“ noch immer beibehalten hatte, war mit brüllenden Menschenmassen verstopft. Allein vor dem Haupteingang der riesigen Central City Shopping Mall drängten und schoben sich Hunderte Plünderer vorwärts und versuchten irgendwie in das Gebäude einzudringen. Drinnen, in dem mehrstöckigen Konsumtempel, musste bereits die Hölle los sein, dachte sich der Detective.
Die gepanzerten Polizisten rückten vor, während ihnen bereits Pflastersteine und Brandsätze entgegengeschleudert wurden. Vom Dach des Einkaufszentrums begannen jetzt einige Plünderer zu schießen oder selbstgemachte Bomben hinab auf die Straße zu werfen. Kuhmichels Herz hämmerte vor Aufregung und er hatte Probleme Luft zu holen. Am liebsten hätte er einfach diesen engen Helm vom Kopf gerissen, doch das wäre keine gute Idee gewesen.
„Weiter vorrücken und ausschwärmen!“, kam der Befehl und Marvin kroch hinter eine umgestürzte Mülltonne.
Irgendwo neben ihm klatschte ein Molotov-Cocktail auf das Straßenpflaster und eine Stichflamme schoss in die Höhe. Er schloss die Augen und versuchte sich für einen Moment auf das zu konzentrieren, was gleich kommen würde.
„Bewegung abgeschlossen! Ziele anvisieren!“, meldete der Truppführer.
Als wollten die Plünderer auf diesen Satz antworten, schrieen sie wüste Verwünschungen in Richtung der Polizeibeamten und bewarfen sie mit allem, was sie in die Finger bekommen konnten, während die bewaffneten Mall Wrecker auf dem Dach des Einkaufszentrums wie wild johlten und die Beamten zu treffen versuchten.
„Eine solche Masse habe ich noch nie gesehen, Marvin“, hörte Kuhmichel die besorgte Stimme eines Kollegen neben sich.
„Ganz ruhig bleiben! Die hauen gleich schon ab“, gab dieser zurück, obgleich er tief im Inneren keineswegs ruhig und gelassen war.
„Stürmen! Ziele sind jetzt frei!“, schallte es in der nächsten Sekunde aus dem Helmfunk.
Sofort eröffneten Dutzende von Polizisten das Feuer und mähten eine Gruppe zornig brüllender Obdachlosen nieder. Die Menschenmenge vor dem Haupteingang der Central City Shopping Mall stob mit lautem Geschrei auseinander und die gepanzerten Beamten rückten in Schützenlinie vor.
Kuhmichel hatte bereits selbst ein paar Schüsse abgegeben, doch er hatte in die Luft geschossen, in der Hoffnung, dass sich die Plünderer nun zurückzogen. Seine Kollegen hatten weniger Erbarmen mit den verwahrlosten Gestalten gezeigt, die hier die Straße verstopften, und direkt einige von ihnen über den Haufen geschossen. Gefährlicher waren jedoch die Mall Wrecker auf dem Dach des Einkaufszentrums, die bereits selbst zwei Polizisten niedergestreckt hatten.
Die Beamten rannten weiter vorwärts, während sich die schreiende Masse langsam auflöste und die Plünderer in alle Richtungen davonrannten. Kurz darauf war der Eingangsbereich des Einkaufszentrums freigeräumt und Kuhmichel stieg über einige Tote, die im Weg lagen. Teilweise waren es Gangmitglieder oder Obdachlose und manchmal auch ein Wachmann, dem man den Schädel eingeschlagen oder die Kehle durchgeschnitten hatte.
In der großen Halle im Erdgeschoss des riesigen Einkaufspalastes trafen die Beamten auf weitere Plünderer, die verzweifelt versuchten aus dem Gebäude herauszukommen und ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Kuhmichel sprang zur Seite, als die ersten Mall Wrecker auf einige seiner Kollegen schossen und drei von ihnen getroffen zusammenbrachen. Offenbar hatten zumindest die Mitglieder der Wreckergangs keineswegs vor sich einfach verhaften zu lassen.
„Verpisst euch, ihr Hurensöhne!“, brüllten sie am Ende einer langen Rolltreppe, die zur nächsten Etage führte, und schossen wie wild um sich.
Schließlich griffen die Plünderer mit lautem Gebrüll an und strömten schreiend aus den verwüsteten Ladenlokalen heraus. Viele von ihnen schwangen Knüppel und Eisenstangen und schienen zu allem entschlossen zu sein.
Kuhmichel ging hinter einem großen Blumenkübel aus Beton in Deckung und feuerte drauf los. Seine Salve schlug in einem Mob wütender Angreifer ein und blutige Wolken spritzten auf. Seine Kollegen waren derweil schon weiter vorgerückt und mähten mit ihren Sturmgewehren jeden nieder, der ihnen über den Weg lief. Als Kuhmichel am Eingang eines hellerleuchteten Bekleidungsgeschäftes vorbeihuschen wollte, sprang plötzlich ein riesenhafter, dunkelhäutiger Mann hinter einem Kleiderständer hervor. Er brüllte wie von Sinnen und schwang eine Machete. Entsetzt drehte sich Marvin um, doch es war schon zu spät, um das Sturmgewehr noch einsetzen zu können.
Der Plünderer trat ihm mit voller Wucht gegen den Brustpanzer und Kuhmichel wurde nach hinten geschleudert, um im nächsten Augenblick gegen einen Wühltisch voller Wollsocken zu krachen. Verstört versuchte er wieder auf die Beine zu kommen, als die blitzende Klinge der Machete schon auf sein Helmvisier zuraste und mit einem lauten Knirschen darin stecken blieb.
„Ich bring dich um, du Drecksbullenschwein!“, grollte der schwarzhäutige Riese und riss die Klinge seiner Waffe wieder aus Kuhmichels Helm, um zu einem weiteren Schlag auszuholen.
Doch der Beamte kam ihm zuvor. Blitzartig zückte er seine Pistole und schoss dem Plünderer in die Brust. Dieser stieß ein leises Röcheln aus und taumelte nach hinten, während sich Marvin vor Schmerzen stöhnend aufrichtete und dem Mann noch einen Kopfschuss verpasste. Ohne einen Laut von sich zu geben, sackte das Gangmitglied zusammen und Marvin atmete erleichtert auf.
„Einfach schön bei „Cool Wear“…“, murmelte Kuhmichel geistesabwesend, als er das in diesem Moment sichtbar gewordene, von der Ladendecke herunterhängende Werbeschild betrachtete und den Spruch darauf las. Nun war das Schild, das eine freundliche lächelnde junge Frau zeigte, mit einigen dunkelroten Spritzern verziert.

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