Interview mit Alexander Merow

Wie lange schreiben Sie schon, Herr Merow?

„Seit einigen Jahren, aber nur als Zeitvertreib. Der Roman „Beutewelt - Bürger 1-564398B-278843“ ist allerdings mein erstes echtes Buch."

Herr Merow, wie kommt man dazu einen Roman wie „Beutewelt“ zu schreiben?

„Es war das reine Interesse die heutige Realität utopisch zuzuspitzen und ein „Was- wäre-wenn-Szenario“ zu entwerfen. So etwas hat mich schon lange gereizt."

Ist „Beutewelt“ jetzt eine Utopie oder ein Science-Fiction?

„Sowohl als auch. Bei Science-Fiction denken zwar viele an Weltraumabenteuer und Marsmenschen, aber das trifft ja keineswegs auf jeden „Science-Fiction-Roman“ zu. Ich überlasse es dem Leser meinen Roman in eine Schublade einzuordnen."

Glauben Sie denn wirklich, dass es so einen weltweiten Überwachungsstaat eines Tages wirklich geben wird oder übertreiben Sie da maßlos?

„Das kann man sicherlich vielfältig sehen. Meiner Meinung nach ist das überhaupt nicht unrealistisch und wenn man sich mit den Grundlagen eines derartigen Staates und den Möglichkeiten von Unterdrückung und Überwachung, die heute bereits in unserer Gegenwart existieren, befasst, dann kann man schon auf so etwas wie „Beutewelt“ kommen."

Klingt ein wenig nach „1984“ von George Orwell, oder?

„Naja, diesen Vergleich höre ich häufiger, weil „1984“ der Klassiker dieses Genres ist. Allerdings muss ich sagen, dass „Beutewelt“ schon ganz anders aufgebaut ist und viel, viel mehr Gegenwartsbezug hat als der mittlerweile in vielen Bereichen überholte Roman von Orwell. Wer mein Buch liest, der wird sich mit Sicherheit gelegentlich selbst eingestehen, dass die eine oder andere Situation durchaus möglich ist."

Haben Sie selbst Angst vor der Zukunft?

„Das ist schwer zu sagen. Ich bin eher besorgt, was einige weltpolitische Entwicklungen betrifft, aber ich hoffe, dass sich irgendwann immer mehr Menschen gegen die Herrschaftsbestrebungen einer kleinen Elite stellen werden."

Also glauben Sie tatsächlich an einen weltweiten „Terrorstaat“ der Zukunft?

„Der Begriff „Terrorstaat“ passt hier nur begrenzt. Ich denke, dass sich die heute herrschenden Eliten aus Wirtschaft, Politik und Medien, bezüglich ihrer Machtstellung mit allen Mitteln gegen jeden absichern werden, der ihnen diese Weltmacht streitig machen will. Verfolgen Sie doch einmal die Tagespolitik und lesen Sie zwischen den Zeilen. Es wird doch selbst in den öffentlichen Medien ganz unmissverständlich von einer „totalitären Weltregierung“, einer „verbesserten Überwachung“, der „Abschaffung der Grundrechte“ usw. gesprochen."

Wie würden sie ihren Haupthelden Frank Kohlhaas umschreiben?

„Wie? Naja, so wie in meinem Buch halt. Dem armen Kerl hat das Schicksal in gewisser Hinsicht übel mitgespielt. Sein trostloses, aber dennoch unscheinbares und „normales“ Leben, wurde jedenfalls durch einen unglücklichen Umstand zerstört. Ich denke sein Denken und Handeln dürfte unter diesem Gesichtspunkt durchaus nachvollziehbar sein."

Ihr Hauptheld „Frank Kohlhaas“ schlägt aber mit Gewalt gegen die Unterdrücker zurück. Ist das in Ihren Augen richtig, Herr Merow?

„Nun, es ist immerhin noch ein Roman und damit eine vollkommen fiktive Geschichte mit Menschen und Szenarien, die es nun einmal in der Realität nicht gibt. Ist es richtig, dass Romanheld Aragorn in „Der Herr der Ringe“ mit Gewalt gegen die „Bösen“ kämpft? Im Kontext des Romans ist das Verhalten des Haupthelden meiner Meinung nach in gewisser Hinsicht verständlich, da er ja auch mental zerrüttet ist. Außerdem geht es in den kommenden Bänden von „Beutewelt“ noch weiter. Da die „Weltregierung“ selbst äußerst skrupellos und gewalttätig ist, wäre es vollkommen unrealistisch zu glauben, dass die Haupthelden bzw. Rebellen sich selbst nur friedlich verhalten würden. Aber in erster Linie ist „Beutewelt“ ein Unterhaltungsroman und das steht definitiv im Vordergrund."

Was erwartet uns eigentlich in „Beutewelt 2 – Aufstand in der Ferne“?

„In meinem zweiten Buch geht es um den Staat Japan, welcher sich im ersten Teil unabhängig gemacht hat und nun mit einem Angriff durch die Truppen der „Weltregierung“ rechnen muss. Frank und Alf gehen als Kriegsfreiwillige nach Asien, um den japanischen Freiheitskampf zu unterstützen. Es wird gut „zur Sache“ gehen. Mehr verrate ich nicht.“

Worüber würden sie denn noch gerne schreiben?

„Ich bin halt ein großer Fan von Fantasy-Universen, aber auch von historischen Stoffen. Die Welt der alten Römer reizt mich sehr. Große Lust hätte ich zurzeit beispielweise einmal einen Roman im „Warhammer40000-Universum“ zu schreiben."

Und was machen Sie sonst so, Herr Merow?

„Dies und das. Ich lese selbst sehr viel und gerne. Weiterhin spiele ich Fußball und bin begeisterter Tabletop-Spieler und Sammler. Meine Freizeitaktivitäten sind wirklich recht vielfältig und es würde dauern, sie alle auf zu zählen."

Interview von Michael Schneider („Deutsches Literaturmagazin“, März 2010)


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