Rezensionen "Beutewelt I - Bürger 1-564398B-278843" (2011)

Mit "Beutewelt I: Bürger 1-564398B-278843" ist Alexander Merow ein wunderbarer und beeindruckender Auftakt seiner düsteren Science-Fiction Dystopie Trilogie "Beutewelt" gelungen. Sein Schreibstil ist einfach und leicht zu lesen, aber dennoch so fesselnd, dass man durch das Buch getragen wird - auf Merows Worten sozusagen. Ich bin wirklich begeistert, denn meistens versteckt sich in jedem Buch die ein oder andere Länge, durch die man sich als Leser durch kämpfen muss, aber hier konnte ich keine entdecken. Der Schreibstil bleibt konsequent spannend und schrecklich realistisch.
Die Beschreibungen der "One-World", in der das Individuum nichts mehr zählt und das höchste Ziel Konsum ist, erschrecken mich und machen mir Angst. Zumal man als Leser, immer wieder die ein oder andere Parallele zu ungesunden Entwicklungen in unserer Zeit und Politik erkennen kann. Die Atmosphäre ist düster, erdrückend und grau. So grau wie Frank Kohlhaas Leben vor dem Gerichtsverfahren und der Inhaftierung, aber alles wird sich ändern....
Auch die Protagonisten sind Herrn Merow wunderbar gelungen, wobei er da auch mit einfachen Mitteln arbeitet. Ich als Leserin hatte für mich da ein ganz typisches schwarz-weiß Denken: die Rebellen sind die Guten, und die Politiker die Bösen, die die Menschen unterdrücken und sogar nicht davor zurückschrecken diese umzupolen. 
Am beieindruckendsten ist natürlich die Entwicklung von Frank Kohlhaas. Zu Anfang hat er sich eigentlich mit seiner Situation engagiert, und lebt stumpfsinnig sein Leben, dass nur aus Arbeit und daraus alleine zu hause zu sitzen besteht. Aber nicht nur die Befreiungsaktion der Rebellen bringt ihn zum umdenken, es gibt noch mehr Gründe, aber diese solltet ihr selbst rausfinden.

Fakt ist von einem im höchsten Falle reagierenden, wandelt er sich zu einem agierenden und denkenden Menschen, der sich nicht länger unterdrücken und manipulieren lassen will....
Aber auch die Vielzahl der anderen Protagonisten ist interessant und vielschichtig, egal ob es der Rebellenanführer Wilden ist, oder sein Kumpel Alfred Bäumer. Sie alle hauchen dem Buch und Frank Kohlhaas Leben ein!
Das Cover wirkt trist, ist in dunklen Farben gehalten und zeigt Plattenbauten. Der Leser fühlt sich direkt an den Beginn des Romanes erinnert. Passend!
Ein Buch, dass nicht nur Science-Fiction-Fans begeistern wird! Erschreckend real, fesselnd und definitiv lesenswert!

Sabrinas Buchwelt


Mir fiel es anfangs sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um diese Dystopie zu beschreiben. Wer jetzt denkt, er könne keine Dystopien mehr sehen, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Die meisten Dystopien stellen hauptsächlich einen Adressatenbezug zu jugendlichen LeserInnen her, in denen Liebe neben der negativen Gesellschafts - oder Regierungsform den Hauptaspekt darstellt. Nicht so in "Beutewelt".
Alexander Merow hat seine Handlung auf die zum Greifen nahe Zukunft ausgerichtet und dabei nichts beschönigt oder rosarote Blumen in die Luft gemalt, nach dem Motto: "Während die Welt im Chaos versinkt, haben wir immer noch uns und werden das schon irgendwie zusammen meistern".
Die Offensive und den harten Ton, den der Autor anschlägt, haben mich anfangs erschrocken und es mir nicht leicht gemacht die Geschichte zu mögen oder einen Einstieg zu finden. Als ich mich jedoch daran gewöhnte und den Sinn dieser Sprache verstand, fühlte ich mich selbst so betäubt wie der Protagonist Frank Kolhaas. Der im Prinzip voller Tatendrang und freien Gedanken steckte, von der Weltregierung darin beschnitten, langsam abstumpft, sowie die gesamte Bevölkerung. Die Gesellschaft ist in ihrer eigenen Bewegungslosigkeit gefangen, während sie sich stärker und stärker überwachen und einkerkern lässt, weil sie größtenteils schon "eingerostet" sind.
Das allerschlimmste für mich beim Lesen war, dass Alexander Merow nicht eine Schwachstelle in seinem starren, kontrollierenden Zukunftsmodell übrig gelassen hat, an der ich mich hätte aufhängen können, um mir einzureden, dass so etwas nie geschehen könne. Mit komplexen, detaillierten, nachvollziehbaren Strukturen hat er eine Zukunft kreiert, die wir sicherlich nicht mehr erleben wollen, falls es so weit käme. Der Pfad seiner Geschichte folgt nicht stur einem Denkmuster, so dass ich mich stärker angesprochen fühlte.
Die Handlung entfaltet sich in einem angenehmen Tempo. Die LeserInnen werden langsam in diese noch ungewohnte Welt eingeführt. Frank Kolhaas' Schicksal nimmt seinen Lauf, wobei nebenher immer mehr Schreckenszenarien dieser Welt offenbart werden.
Während ich mich mit dem in den 20-igern steckenden Frank nicht anfreunden konnte, passte er sehr gut in diese Welt, die ebenfalls abschreckend wirkt. Das hatte etwas. Glücklicherweise verliert sich "Beutewelt" nicht in seiner unendlich scheinenden Schwärze, sondern gibt Grund zum Hoffen. Diese Hoffnung ist, ohne zu viel zu verraten, ebenso glaubwürdig und realitätsnah beschrieben, wie der gesamte Roman.
Das Lesen wurde mir durch einige Ortswechsel sehr erleichtert und dass ich diesen Roman las, kurz nachdem ich in Paris gewesen bin, hat sehr geholfen, um einige Einzelheiten der pariser Unterwelt nachzuvollziehen und mich dem Geschehen näher zu fühlen.
Der Titel beschreibt sehr gut, was die LeserInnen erwartet, wobei ich die Bürgernr. einer ISBN ähnlich vermutlich weggelassen hätte.

Mein Fazit:
Alexander Merow hat mit "Beutewelt" den ersten Teil einer sieben-Bändigen Serie verfasst, der relativ sachlich und neutral gehalten, regelrechte Beklemmungen bei mir auslöste, der ich durch die Lebendigkeit der Charaktere entgegenwirken konnte. Die erste Geschichte ist in sich abgeschlossen, dennoch bleiben einige Fragen offen und das Schicksal von Frank Kolhaas und seinen Freunden ist noch lange nicht erfüllt.
Ich würde mir sehr wünschen, dass viele Menschen diesen Roman lesen werden. Denn mit seinen knapp 250 Seiten ist er sehr auf den Punkt gebracht und wird uns hoffentlich aufschrecken, niemals die Kontrolle und die Freiheit über unsere Leben zu verlieren.
Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, empfinde ich "Beutewelt" als bedrückender und realistischer, als "1984" für mich jemals hätte sein können, da dies nicht meine Zeit war, "Beutewelt" aber schon. Wer "1984" schon schrecklich fand, wird von diesem Werk tief in seinen schwarzen, farbenfreien Schlund gezogen und in eine emotionslose Welt eingeführt, die es einem schwer macht, noch Hoffnungen zu hegen.
Zunächst leben wir aber noch im "Hier und Jetzt" und sollten uns noch darauf konzentrieren, den Medien nicht alles zu glauben und uns für uns einzusetzen, solange wir es noch können.
Glücklicherweise rundet Herr Merow seinen fiktiven Roman mit einem Nachwort ab, der meine Spannungen ein wenig lösen konnte und mich glauben macht, dass es niemals so weit kommen wird, wie in "Beutewelt" eindringlich beschrieben. Leute, lest einfach dieses Buch!

Charlouise Leselust & Leseliebe


Frank Kohlhaas ist ein gesetzestreuer Bürger der One World, obwohl er mit dem System, der Überwachung und Kontrolle nicht einverstanden ist. Dann jedoch eskaliert eine eigentlich harmlose Situation und Frank wird angeklagt und verurteilt. Einmal in den Fängen des Systems angelangt, erlebt Frank seinen persönlichen Alptraum, aus dem er mehr zufällig heraus gerissen wird, nur um an eine Gruppe von Regimegegnern zu gelangen. Eine Begegnung, die nicht nur Franks Leben verändert.
Alexander Merow legt hier eine Dystopie vor, die so dunkel und beklemmend und doch so glaubhaft ist, dass es einem Angst und Bange werden kann.
Die Sprache ist eingängig und den Situationen und Personen angepasst, einfach stimmig. Der Erzählstil passt zum Geschehen und reißt den Leser in Franks Welt hinein. So, wie Dinge und Situationen beschrieben werden, ist man hautnah dabei und das ist gerade in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns tatsächlich in diese Richtung entwickeln, sehr erschreckend.
Überhaupt ist die Idee so durchdacht, dass man keine Ansatzpunkte findet, an denen man abwiegeln und alles in das Reich der Phantasie verbannen kann. Nein, die beschriebene Entwicklung der Weltgeschichte, die zur One World führte, hat eigentlich in der Realität schon begonnen. Und das macht das Buch fast schon zu einer auf einer wahren Begebenheit beruhenden Horrorgeschichte.
Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet, man kann, auch wenn Frank einem zu Beginn recht seltsam vorkommt, durchaus nachvollziehen, wieso er sich so entwickelt, wie er es tut. Auch die Konflikte der Menschen mit sich selber und ihrem Umfeld, der Spagat zwischen „etwas verändern wollen“ und „endlich in Ruhe leben können“ ist nur allzu verständlich.
Und dennoch wirkt das Geschriebene teilweise etwas bemüht, die Personen etwas verwirrt. Den Durchmarsch von Alf und Frank in Paris empfand ich persönlich als ZU einfach und damit nicht mehr realistisch und auch leider nicht mehr dem der One World zugesprochen Informationsstand, der Allwissenheit angemessen.
Und so ist es weniger ein Roman über irgendjemanden mit einem sehr, sehr passenden Namen, als viel mehr ein Blick in eine durchaus mögliche, vielleicht sogar wahrscheinliche Zukunft. Ein handwerklich gut gearbeitetes Buch, das auch inhaltlich überzeugen kann. Kleine Schwächen lassen hier für die Nachfolger noch Luft nach oben.

Claudias Lesezimmerchen


...so könnte der Intro dieses herrlich düsteren Romans sein, der näher an der Realität zu sein scheint, als uns lieb sein mag!
Bürger 1-564398B-278843 hat im Jahre 2028 ein trostloses Leben, das noch unerwartete Wendungen nimmt, als er, gedemütigt und gefoltert, auf Menschen trifft, die Widerstand leisten, wider dem mechanischen Menschen, die nur als einfältige Bio-Roboter ohne Individualität funktionieren sollen.
Bürger 1-564398B-278843 hat die glückliche Fügung erfahren, aus diesem gespenstischen Trott herauszukommen und kann nun aktiv werden, mitzuhelfen, die Welt aus den Fängen einer Eine-Welt-Regierung zu befreien, die keinen Cent für ein Menschenleben opfern würde und Macht über alles die oberste Doktrin ist.
Der Roman ist spannend geschrieben, die Entwicklung des Bürgers 1-564398B-278843 zu einem Menschen mit eigenem Verstand und eigenen Gefühlen ist schön beschrieben, ebenso die zahlreichen Umstände, die ihn im Laufe der Handlung widerfahren.
Man kann die Fortsetzungen dieses spannenden Thrillers in jedem Fall empfehlen!

Roland Roth (Top 50 Rezensent bei Amazon.de)

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