Rezensionen "Beutewelt II - Aufstand in der Ferne"

Nach dem gelungenen ersten Part ist nun vor kurzem das zweite Beuteweltbuch erschienen, mit dem Titel “Beutewelt 2 Aufstand in der Ferne”. Im Vordergrund stehen wieder Frank Kohlhaas und Alfred Bäumer die Widerstandskämpfer die schon im ersten Buch gegen die Weltregierung gekämpft haben.
Doch diesmal geht es nicht um Demonstrationen, Proteste und Attentate, diesmal bricht der Krieg aus. Wie es im ersten Buch schon nebnbei erwähnt wurde, hat sich Japan unter der Führung ihres Präsidenten Katsumoto für unabhängig erklärt und ist aus dem Weltenbund ausgestiegen.Dies gefällt den Logenbrüdern nicht und sie rufen zum Krieg auf. Doch nicht einfach so.
Wie auch im ersten Buch hält sich Alexander Merow an den Realismus und so will der Krieg erstmal vorbereitet werden. Ein Jahr dauern die Vorbereitungen bevor der große Sturm losgehen soll. Doch auch Matsumoto ahnt das kommende Unheil, bereitet sich auf die Verteidigung vor und schon bald macht der Ruf nach Freiwilligen in den Rebellenlagern die Runde und erreicht nach kurzer Zeit auch Ivas. Unter den jungen Männern macht sich schnell Aufregung breit und es bildet sich eine Gruppe junger idealistischer Männer die Japan verteidigen und damit ein Zeichen setzen wollen. Frank Kohlhaas wird von dieser Jugend als Held verehrt und so nach und nach in den Krieg reingezogen.
Auch Alf will seinen Freund unterstützen und zusammen reisen sie mit Hilfe anderer Rebellen nach Japan. Die erste Hälfte des Buches dreht sich um die Kriegsvorbereitungen. Die Weltregierung macht Stimmung gegen Japan um möglichst viele Chinesen zu rekrutieren (mit dem Ziel deren Bevölkerung nebenbei zu verkleinern) und arbeitet an der politischen und moralischen Legitimation für ihren Angriff. Matsumoto selbst arbeitet an der Moral der eigenen Landsleute und bereitet ebenfalls den Krieg vor und auch in Ivas laufen die Kriegsvorbereitungen.
Diese Dreiecksgeschichte ist sehr schön zu lesen und zeigt die verschiedenen Ansichten vom Krieg. Die Agressoren, die Verteidiger, die möchtegern Soldaten, deren Familien und erfahrene Kämpfer. So wird man obwohl wenig passiert sehr gut unterhalten, bis die Hauptcharaktere in Japan dann sind und der Sturm endlich losgeht. Danach steigert sich das Buch noch einmal deutlich. Ich bin ein bekennender Fan von Military- und Military-Scifi Büchern. Von Tom Clancy bis diverse Warhammerbücher habe ich alles gelesen und in meinem Regal stehen.
Doch nichts kann sich mit dem messen was ich hier gefühlt habe. Durch die Nähe der Realität wird eine dichte Atmosphäre geschaffen aus die der Autor auch fleissig schöpft. Wo ich bei Warhammer laut Hurra rufe wenn die Space Marines den Ketzern eins auf den Deckel hauen, bin ich hier fassungslos vor Grauen wenn ich lese wie bestialisch und sinnlos sich beide Seiten dahin schlachten.
Der Hauptgrund dafür dieses Gefühl ist wieder der, das die Protagonisten keine Helden sind. Sie verstören spürbar an den traumatischen Ereignissen, hinterfragen die Gründe für den Krieg und gehen langsam daran kaputt. Auch lässt es sich der Autor nicht nehmen eine lebendige Großstadt in den blühensten Farben zu beschreiben, nur um später noch
detaillierter darzulegen was ständiges Artilleriefeuer und chemische Kampfstoffe daraus gemacht hat. Seite an Seite mit dem Protagonisten wandelt der Leser durch diesen surrealen Alptraum, vorbei an Massengräbern und Scheiterhaufen und fragt sich was das ganze noch soll. Jeder Sieg der errungen wird hat einen bitteren Beigeschmack, jede Niederlage wiegt doppelt schwer. Kein Patriotismus, keine Glaubensvorstellungen, keinerlei Legtimation.
Alexander Merow zeigt hier die ganzen Schrecken des Krieges in seiner nüchternen Realität. Am Ende ist es auch egal wer gewonnen oder verloren hat. Sowohl Protagonist als auch Leser sind froh das es vorerst vorbei ist, doch beiden ist klar das dies nur der Anfang darstellt. Bücher wie dieses gibt es selten. Bücher die einen berühren, die einen Aufwühlen. Bücher die den Leser dazu bringen über sich selbst nachzudenken.
Dem Autor ist hier etwas einmaliges gelungen. Dies ist kein leichtes Buch das man nebenher lesen kann. Das ist ein Buch das man bei flackerndem Kaminfeuer und einem Glas Rotweins lesen sollte. Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für alle die sich auch nur Ansatzweise für Kriegsdramen interessieren.

www.planet-scifi.eu


www.inkultura-online.de/beuteauf.html
(Neue Rezension, Februar 2011)


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