Rezensionen "Beutewelt III - Organisierte Wut"

Seit kurzem ist Beutewelt 3 im Handel erhältlich, das neue Buch von Alexander Merrow in seiner Reihe zum Kampf gegen die Weltregierung. Passend zu den aktuellen Ereignissen in Ägypten gibt es wohl keine bessere Lektüre die man sich jetzt zu Gemüte führen sollte. Wir sagen ihnen warum.
Der Krieg mit Japan (siehe Beutewelt 2) ist inzwischen eine Weile her, und neuer Widerstand regt sich. In Weißrussland baut sich eine Widerstandsgruppe weiter auf und wird zu einer Bedrohung für die Weltregierung.

Die Rede ist von den Söhnen von Rus. Kennern der Reihe wird der Name bekannt vorkommen, den sie wurden bereits in Beutewelt 2 eingeführt. Die Söhne von Rus haben während des Japankrieges eine Stärke erreicht bei der man sie ernst nehmen muss. Und da Weißrussland in direkter Nachbarschaft von Ivas liegt hilft man natürlich.
Das Buch hat wieder Frank Kohlhaas und Alfred Bäumer als Hauptfiguren und begleitet sie durch die Geschichte. Neben den beiden gibt es wieder eine Reihe bekannter und neuer Nebenfiguren, sowohl guter als auch schlechter Natur. Die Charakterisierung der Wichtigsten wurde dabei erweitert und neue Facetten hinzugefügt. So gibt es zunehmend Selbstzweifel, Arroganz und Verzweiflung unter den Widerständlern, das harmonische Dorfleben von einst ist lange nicht mehr so harmonisch und das hat seine Gründe. Die Aktionen die von Ivas aus durchgeführt werden, rücken das Dorf selbst immer weiter ins Fadenkreuz der Weltregierung. Zuerst erscheint die Polizei, später kümmert sich auch der Geheimdienst um das kleine Dorf. Die Zeit bis zur endgültigen Offenlegung ist begrenzt, zumal sich die ganze Region in einem Hexenkessel der Rebellion befindet und es nur eine Frage der Zeit ist bevor die Weltregierung wieder das Militär aussendet.
Das Buch dreht sich aber hauptsächlich um die Rebellion der Söhne von Rus. Nachdem Krieg in Japan konzentriert der Autor sich jetzt auf den friedlichen Umsturz durch die Bewegung der Massen. Wie in Ägypten werden erfolge hauptsächlich durch Demonstrationen erreicht und Kämpfe finden eher selten und in kleineren Rahmen statt. Das dürfte diejenigen etwas enttäuschen die gefallen an den brachialen Kämpfen hatten, aber das legt sich schnell. Der Autor beschreibt den friedlichen Aufstand detailliert und lässt sich Zeit die Situation und die Reaktionen beider Seiten zu analysieren.

Die zufällige inhaltliche Nähe zu Ägypten zeigt wie sorgfältig Herr Merrow das Thema recherchiert hat. Nichts wirkt erzwungen oder konstruiert, die Handlung wirkt von der ersten bis zur letzten Seite wie eine logische Abfolge der Kausalitäten. Wieder einmal bemerkenswert ist es wie Herr Merrow spielend eine düsterne melancholische Stimmung erzeugt. Wo andere Autoren seitenweise Text benötigen, reichen hier einfachste Beschreibungen von Geschmack und Geruch um eine Grundstimmung zu erzeugen worauf die Beschreibung von Personen, Örtlichkeiten und Handlung aufbaut und such durch das ganze Buch zieht. Es gibt wenig Bücher wo man nach einer gelungen Aktionen der Protagonisten mit flauem Gefühl denkt „ das war zu Einfach...“

Und noch weniger Bücher wo sich dieses Gefühl dann bewahrheitet und die davor positive Situation innerhalb kürzester Zeit in das genaue Gegenteil umschlägt. Wieder einmal hat Alexander Merow bewiesen das er ein Händchen fürs schreiben hat.

Die Geschichte ist spannend, sehr gut geschrieben und frei von konstruierten Handlungen. Die Beuteweltbücher dürften inzwischen zu der besten dystopischen Literatur zählen die die deutsche Autoren in den letzten Jahren hervorgebracht haben. Was jetzt noch fehlt ist ein Buch von der anderen Seite aus, ein Beuteweltbuch aus Sicht der Weltregierung wo sich der Autor dem Aufbau eines charismatischen Gegenspielers widmet, einem Bösen der nicht einfach nur Böse ist sondern gute Gründe hat so zu handeln und auf seine Weise Gutes tun will und in der Weltregierung den Weg in eine bessere Zukunft sieht. Wenn Herr Merrow das schafft, der Weltregierung ein positives Gesicht zu geben und so ein moralisches Dilemma aufzubauen welche Seite nun die richtigen Argumente hat und es keine Schwarz/Weiß-Zeichnung mehr gibt sondern nur Grautöne. Dann dürfte Beutewelt definitv zu dem besten gehören was es zurzeit auf dem deutschen Markt zu lesen gibt.
Bis dahin ist die Beutewelttrilogie ein absolutes muss für jeden der sich für dystopische Literatur interessiert.

(www.planet-scifi.eu)

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